Als der Commodore 64 nach der Meinung von CBM am Ende seiner Lebenszeit angekommen war, wurde die Entwicklung eines neuen, verbesserten Heimcomputers begonnen. Der Commodore 65 genannte Rechner sollte an den Erfolg des Commodore 64 anknüpfen, und durch stark verbesserte Hardware sowie eingeschränkte Commodore 64-Kompatibilität dem Low-End-Homecomputersegment neues Leben einhauchen. Da sich der Amiga aber gerade in seiner Blütezeit befand, sah Commodore irgendwann ein, dass man sich damit nur ins eigene Fleisch schneiden würde. So wurde das Projekt im Jahr 1991 abgebrochen. Nach der Commodore-Pleite wurden die produzierten Geräte abverkauft. Diese Rechner sind heute begehrte Sammlerstücke, obwohl einige nur als Platine daherkommen, und jedes Gerät sich noch im Prototypenstadium befindet. Daher rührt auch die Tatsache, dass das Basic sehr viele unimplementierte Kommandos hat und man nur schwierig an Ersatzteile kommt.

Die Technik war stark an den Commodore 64 angelehnt. Der Prozessor war ein mit 3,54 Mhz getakteter 6502-kompatibler, der sogenannte 4510. Diese CPU beinhaltete 4 16-Bit Timer, zwei 24-Stunden (am/pm) Echtzeituhren mit einstellbarer Alarmzeit und einen seriellen Vollduplexkommunikationskanal mit programmierbaren Baudratengenerator. Der Prozessor verfügte außerdem über einen Memorymapper Feature, mit dem bis zu 1 MByte RAM ansprechbar waren, zwei 8-Bit Schieberegister für Synchrone Serielle Ein- und Ausgabe und 30 einzeln programmierbare Ein/Ausgabeleitungen. Im Endeffekt beinhaltete er etwa das, was beim C64 auf die CPU und die beiden CIAs aufgeteilt werden mußte. Da auch dieser Prozessor nur einen Adreßbereich von 64 KByte (16 Bit) hatte, ermöglichte es der Memorymapper diesen 64 KByte Bereich in 8 Teile aufzuteilen, und diese innerhalb eines 1 MByte Bereichs zu "verteilen", um auf mehr als 64 KByte Speicher Zugriff zu haben. Die Blöcke können nur auf Speicherseitengrenzen gelegt werden, also nur alle 256 Bytes.

Der Rechner verfügte serienmäßig über 128 KByte RAM, ein eingebautes Commodore BASIC V10, einen Maschinencode-Monitor und das CBM DOS. Bekannt sind 6 ROM-Versionen, datiert von Januar bis Oktober 1991.

Wenn der Commodore 65 eingeschaltet wird, wird zunächst der C64-Modus aktiviert. Wenn nicht festgestellt wird, dass dies auch gewünscht ist (gedrückte C= -Taste oder ähnliches) wird automatisch der C65-Modus aktiv. Im Gegensatz zum C128 kann man den C64-Modus auch wieder verlassen, auch die besonderen Eigenschaften des Rechners lassen sich im C64-Modus verwenden.

Fortgeschrittener Grafikchip

Der CSG4569 (VIC-III) stellt eine Vielzahl von Grafikmodi bereit, darunter auch die des C64. Das heißt, er unterstützt 16 Farben und eine Textauflösung von 40x25 sowie die bekannte 320x200 Grafik-Auflösung. Dazu kommt noch: Hardware-Sprites mit Kollisionsabfrage, Hardware-Scrolling usw... Die zusätzlichen Fähigkeiten bestehen aus einem 80x25 Textmodus, und einer Anzahl Grafikmodi. Die niedrigste ist 320x200 in 256 Farben. Die höchste ist eine Interlace-Auflösung, und beträgt 1280x400 in 4 Farben. Der Chip verfügt außerdem über einen Display-Adress-Translator, der einem das Programmieren stark erleichtert.

Hier die komplette Liste:

C64 Kompatibel! ... ?

Die C64 Kompatibilität war eines der Entwicklungsziele, doch aufgrund der starken Hardwareänderungen ist keine 100%ige Kompatibilität möglich. Etwa 65% aller C64 Programme sollen angeblich laufen.

Der C65 beinhaltet das originale C64-ROM, das hier und da verändert wurde, um die Hardwareänderungen zu reflektieren. Die Kompatibilität mit Software, die illegale Opcodes der 6510-CPU verwendet ist leider nicht gewährleistet, da diese Opcodes beim 4510 eine andere Funktion haben. Auch wird extrem Timingabhängige Software nicht funktionieren, da das Timing sowohl der CPU als auch des Grafikchips wie zu erwarten anders ist.

Die Hardwarekompatibilität ist gegeben bei den Geräten für den Seriellen IEC-Bus und die Joystickanschlüsse. Beim User-Port fehlt die 9V-Versorgungsspannung, und der Expansion-Port unterscheidet sich gänzlich. Darüber hinaus kann es zu Timingproblemen mit Peripheriegeräten kommen, zum Beispiel mit der 1764 Speichererweiterung.

Die Anschlüsse an der Gehäuserückseite unterscheiden sich nicht sonderlich von denen des 64ers, jedoch sind sie etwas anders angeordnet. Den Seriellen Bus findet man genauso wie den Modulport, den Antennenstecker und den runden Videoausgang. Neu hinzugekommen sind zwei Cinch-Ausgänge für die beiden SIDs (Stereo) und ein anderer Sub-D 9pol-Ausgang, offensichtlich mit dem 80-Zeichen Videoausgang des 128ers vergleichbar. Die restlichen Anschlüsse sind ebenfalls vorhanden, lediglich das Tape-Interface musste weichen.

Datenblatt Commodore 65
Erscheinungsjahr: Nie offiziell erschienen
Ca. Neupreis: ?
Prozessor: CSG 65CE02 (4510)
Taktfrequenz: 3.54 MHZ
Arbeitsspeicher: 128 KB (bis zu 8 MB)
ROM: 128 KB
- Basic V2.0 (20 KB)
- Basic V10.0
- DOS
Betriebssystem: Basic V2.0 (C64-Modus)
Basic V10.0 (C65-Modus)
Grafikchip: CSG 4569 "VIC-III"
Textmodi: 16 Farben Farbpalette:
- 40 x 25 Zeichen
- 80 x 25 Zeichen
Grafikmodi: 16 Farben Farbpalette:
- 320 x 200 in 2 Farben pro 8x8 Pixel-Block
- 160 x 200 in 4 Farben pro 4x8-Pixel-Block
VGA Auflösungen : 320 / 640 / 1280 x 200 / 400 in 4, 16 oder 256 Farben
Sprites: 8
Soundchip: 2x MOS 6581 "SID"
Ein-Ausgabechip: Im Prozessor enthalten
Tastatur: 77 Tasten, im Gehäuse eingebaut
Gehäuseform: Tastaturcomputer
Laufwerke: 1581-kompatibles 3,5" Laufwerk
Anzeige: Fernseher
Composite-Monitor
RGB-Anschluß
Erweiterungsmöglichkeiten: Modulsteckplatz
User-Port
Ein-Ausgabe: RGB
Modulsteckplatz
Userport
Zwei Joystick-Ports
Fernsehanschluß
RGB und Composite-Monitoranschluß (beinhaltet auch Audio)
Serieller Port für Drucker und Diskettenlaufwerke