Beim SID (Sound Interface Device) handelt es sich um einen elektronischen Musiksynthesizer mit 3 Stimmen, der verglichen mit den "üblichen" Soundchips seiner Zeit einige bemerkenswerte Eigenschaften besitzt. Er wurde erstmals im Commodore 64 eingesetzt, und wird von vielen Fans dieses Rechners als "wichtigster Baustein" bezeichnet.

Geschichte

Als das Projekt "Commodore 64" bei Commodore im Januar 1981 das erste Mal angesprochen wurde, war eigentlich geplant, einen Spielecomputer auf den Markt zu bringen. Ein guter Spielecomputer muß in der Lage sein, guten Sound zu erzeugen. Und der C64 Soundchip kann 3 Stimmen mit einer ungewöhnlich hohen Frequenzbandbreite erzeugen. Während dem Projekt wurde diese Absicht geändert und stattdessen baute Commodore einen richtigen Heimcomputer.

Der SID-Chip

Die Arbeit am C64 wurde auf zwei Gruppen aufgeteilt ,eine kümmerte sich um den Grafikchip VIC, die andere um den Soundchip SID (kurz für : Sound Interface Device). Die Arbeit am SID begann im Frühling 1981. Verantwortlich dafür war Robert Yannes, ein junger Ingenieur, der auch für den VC-20 verantwortlich war. Sein Team bestand aus ihm selbst, zwei Technikern und einem CAD-Operator.

Yannes' hohe Erwartungen an den SID waren der Grund, warum der Chip einen so ungewöhnlich guten Sound produzieren konnte, gerade im Vergleich mit einfachen Videospielen. Der SID hat eine präzisere Frequenzkontrolle, und der unabhängige Hüllkurvengenerator schafft einen besseren Klang. Yannes gründete übrigens später die Synthesizerschmiede Ensoniq.

Die Technik

Die wahren Fähigkeiten des SID sind bis heute nicht einmal den Konstrukteuren bekannt. Dies kommt daher, dass die technische Dokumentation während der Entwicklung aus Versehen falsch geschrieben wurde. Ein Beispiel ist, dass die Doku sagt, dass der Chip eine logische UND-Funktion auf verschiedene Wellenformen anwenden kann. Diese Fehler in der Dokumentation machten es vielen Programmierern schwer, ohne viel Experimentierwillen alle Möglichkeiten des Chips auszunutzen.

Die Funktionen des SID werden über 27 direkt adressierbare Register gesteuert. Die Basisadresse ist im C64 $D400. Im SID sind drei verschiedene Oszillatoren untergebracht, die vollkommen unabhängig voneinander funktionieren. Für jeden Oszillator kann als Wellenform zwischen Dreieck, Sägezahn, Rechteck mit variablem Pulsverhältnis und weißen Rauschen gewählt werden. Das überstreichbare Frequenzspektrum reicht von 0 bis 8,2 Khz, mit einer Auflösung von 65536 Schritten. Für jeden Oszillator gibt es zwei 8-Bit breite Register zur Frequenzwahl. Der in diese Register einzuschreibende Wert entspricht allerdings nicht der Frequenz, sondern ist nur proportional. Ursprünglich war auch eine Tabelle im SID vorgesehen, die Musiknoten in Frequenzdaten auflösen konnte, aber da dieses Feature zu teuer werden würde, wurde es wieder gestrichen.

ADSR-Beschreibung Die sogenannte ADSR-Funktion steht für Attack, Decay, Sustain und Release, was soviel bedeutet wie Anschwellen, Abfallen, Halten und Ausklingen. Diese Funktion bestimmt die Lautstärke und Dauer der Vorgänge. Jeder einzelne Parameter kann einen Wert von 0 bis 15 annehmen und ergibt für die Attack-Spanne Zeiten von 0,002 bis 8 Sekunden. Die Decay/Release- Dauer beträgt zwischen 0,006 und 24 Sekunden. Mittels dieser Funktion lassen sich die Lautstärkeverläufe echter Instrumente sehr originalgetreu nachbilden.

Den Oszillatoren ist ein analoger Filter mit wählbarer Hoch-, Tief- und Bandpass-Eigenschaft nachgeschaltet. Die Grenzfrequenzen sind wählbar. Mittels zweier Analog/Digitalkonverter kann der SID Potentiometer abfragen, leider sind diese Konverter zu ungenau als dass man sie zum Samplen einsetzen könnte. Der SID kann außerdem externe Audiosignale in seine Ausgabe einmischen und mittels seines Filters verändern, was es ermöglicht, mehrere SIDs aneinanderzuhängen oder in komplexen mehrstimmigen Systemen einzusetzen.

Und Heute?

Neben den sogenannten SID-Playern, die das direkte Anhören der SID-Musiken auf anderen Computertypen ermöglicht indem der SID samt C64 per Software emuliert wird, gibt es auch diverse Hardwareprojekte, die den echten SID-Chip beinhalten. Eines davon ist die SID-Station, ein Synthesizer mit voller MIDI-Fähigkeit, bei dem man mittels Potentiometer und kleinen Programmen den SID steuern kann. Wenn jemand "Kernkraft 400" von "Zombie Nation" kennt: das Lied wurde mit der SID-Station gemacht und die Melodie stammt von einem 17 Jahre alten C64-Spiel - "Lazy Jones".

Ein anderes Projekt ist die sog. Hardsid-Karte, eine ISA-Steckkarte auf der ein SID Platz findet. Man kann damit sowohl die bereits erwähnten SID-Dateien direkt von der Original-Hardware in dementsprechender Qualität abspielen, als auch mehrere dieser Karten kombinieren und mittels eines speziellen MIDI-Treibers bequem neue Melodien komponieren. Mittlerweile gibt es eine weitere Karte mit SID-Fähigkeit, der Catweasel MK III, eigentlich ein sehr flexibler Floppycontroller, aber in der neuesten Version verfügt er über einen extra Sockel für den SID.

Und außerdem sind einige Leute auf die Idee gekommen, die Melodien der C64-Musikstücke neu zu überarbeiten und mit heutigen Synthesizern zu spielen. Heraus kamen dabei unter anderem die Back-in-Time-CDs und viele weitere Remixes von Amateurmusikern. Die meisten davon sind auch für nicht-Freaks durchaus hörenswert. Zu guter letzt gibt es sogar die Back-In-Time-Musikevents, die mittlerweile fast regelmäßig abgehalten werden, und bei denen für ein bis zwei Nächte eine ganze Disco von Fans "assimiliert" wird und Remixes von Spielekassikern vom 64er, Atari, Spectrum und vielen anderen gespielt werden. In Amerika gab es sogar zeitweise eine Radiosendung, die nur SIDs spielte.

Variationen

Der im C-64C eingesetzte 8580 unterschied sich zum Original hauptsächlich durch etwas abgeänderte Wellenformen und erheblich leisere Samplelautstärke. Zur Erläuterung:

Gesampelte Stücke werden abgespielt, in dem die Software einen Ton in rascher Folge aus und wieder einschaltet. Die dabei entstehenden "Knackser" ergeben dann den Klangeindruck eines Samples. Da der C64 nur bis ca. 6 KHz "knacksen" kann, ist die Tonqualität eher bescheiden und erinnert an eine schlechte Telefonverbindung. Im C64-II funktioniert der Trick mit dem "Knacksen" nicht so richtig, weil die Ingenieure beim neuen Soundchip diesen "Knackser-Fehler", der ja eigentlich eine Tonverschlechterung bei normalen Tönen darstellt, beseitigt haben. Folge: Das "Knacksen" ist erheblich leiser, Digi-Sounds sind kaum hörbar.

Die meisten Leute bevorzugen den 6581, da er "wärmere" Klänge hervorbringt. Er ist besser geeignet für weichere Melodien und starke Bässe. Der 8580 hat eine viel klarere "Stimme", und ist der beste für scharfe Töne und Tiefe Bass-Drums, wie in Techno-Stücken.

Datenblatt: SID 6581 SID 8580
Erscheinungsjahr : 1981 1985
Ca. Neupreis : ? ?
Stromaufnahme : 12 V und 5V 9V und 5V
Anzahl Pins : 28 28
Gehäuseformen : DIP (Dual Inline Package) DIP (Dual Inline Package)
Besonderheiten : Sehr effektiver Filter
Knackser bei Lautstärkeänderung
Normale Wellenformen
Wenig effektiver Filter
Knackser fast unhörbar
Erweiterte Wellenformen